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21. Juli 2010
Für den diesjährigen europäischen EMAS-Award 2010 zum Thema Ressourceneffizienz stehen für Deutschland die Nominierten fest. Die nationale Jury bestehend aus dem DIHK, dem Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt, der Deutschen Akkreditierungs- und Zulassungsgesellschaft für Umweltgutachter und dem Umweltgutachterausschuss hat aus den eingegangenen Bewerbungen einen Nominierten für jede entsprechende Kategorie gewählt. Unter den Ausgewählten befinden sich bereits vertraute EMAS-Organisationen aber auch eine ganz junge EMAS-Registrierte. Die Nominierungen sind bereits an die Europäische Kommission gemeldet. Eine von der Kommission beauftragte Jury entscheidet nun, welche von allen Mitgliedsstaaten einegereichten Bewerbungen als letztendlicher Sieger die europäischen Preise im November erhält.
Die Nominierten der nationalen Ausscheidung für den Europäischen EMAS-Award 2010 zum Thema „Ressourceneffizienz“ sind:
Kleine Organisation: Erich Heidrich GmbH, Nürnberg
Die bayerische Schlosserei und Schweißerei ist bereits seit 1997 ins EMAS-Register eingetragen und darüber hinaus Mitglied im Umweltpakt Bayern. Der Handwerksbetrieb mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat im Bereich Ressourceneffizienz mehrere unterschiedliche Maßnahmen aufgegriffen. So wird der Rohstoffverbrauch reduziert durch Recycling oder Wiederverwertung der gesamten Verpackungen, wobei der Wiedereinsatz vor der Verwertung steht. Im betriebsinternen Recyclinghof werden dazu die Wertstoffe und der Abfall in 28 Fraktionen getrennt. „Reparatur vor Erneuerung“ ist das Motto des Schweißfachbetriebs, daher werden bei alten Toren vorrangig die Federn oder andere Teile ersetzt, um Material zu sparen. Nicht mehr erhältliche Federn und Ersatzteile werden sogar in Lohnfertigung hergestellt. Über moderne und ressourcensparende Kommunikationswege wie dem Internet ist der Vertrieb bundesweit organisiert. Weiterer Strom und damit Ressourcen werden im Unternehmen gespart in dem die betriebseigenen Ausstellungsräume mit LED-Beleuchtung ausgestattet wurden. Dadurch reduzierte sich der Gesamtstromverbrauch um ca. 10%. Auch der Einsatz von Erneuerbaren Energien kommt zum Zuge: zur Beheizung des Bürogebäudes wird Biomasse als Energieträger eingesetzt.
Die aktuelle Umwelterklärung der Erich Heidrich GmbH finden Sie hier.
Kleine und mittlere Organisation: Galvanotechnik Baum GmbH, Zwönitz
Ein nicht minder „alter EMAS-Hase" ist die Galvanotechnik Baum GmbH, die als Dienstleistungsunternehmen für Oberflächenveredelung seit 1998 EMAS eingeführt hat. Im EMAS-Register eingetragen ist der Standort im sächsischen Zwönitz. Hier wurden durch den Bau einer Kühlanlage mit Freikühler im Jahr 2009/2010 erhebliche Energieeinsparung erreicht und Kaltwasser durch die umweltschonende Technik erzeugt. Durch die Kühlanlage konnten die Betriebskosten um mehr als 80 % gemindert werden. Der Oberflächenveredeler Baum hat sich auch Gedanken gemacht, wie anfallende Stoffe getrennt und dann weiter verwertet werden können. So werden die bei der Filtration anfallenden Galvanikschlämme (Hydroxide des Zinks, Nickels, Zinns, Kupfer und Chroms) nahezu 100%ig als Monoschlämme in Metallhütten verwertet und damit die Metalle dem Stoffkreislauf wieder zugeführt. Die Nutzung von erneuerbaren Energien erfolgt über eine im Mai 2010 fertig gestellte Photovoltaikanlage auf dem Dach des Unternehmens, die pro Jahr 212500 kWh erzeugen und damit 131 Tonnen CO2 einsparen soll.
Weitere Informationen zum Unternehmen und dem Umweltmanagement finden Sie in der aktuellen Umwelterklärung.
Große Organisation: Siemens AG, Healthcare Sector, Erlangen
Die Siemens AG zählt schon zu den „alten Hasen“ bei EMAS, da sie seit 14 Jahren im EMAS-Register eingetragen und mit fünf Standorten in Erlangen, Forchheim, Kemnath, Rudolstadt und Heidelberg dabei ist. In den vielen Jahren fanden zahlreiche Weiterentwicklungen statt mit denen bei der Produktion von Medizinischen Geräten Einsatzstoffe und verwendeten Materialien eingespart werden. So wurde z.B. zur Produktion einer Leuchtstoffkeramik-Einheitsfläche für Computertomographen-Detektoren der Verbrauch an Ausgangsmaterial um 70 %, der Verbrauch an Graphitblöcken zum Betrieb von Heißpressen um 50 % und der Verbrauch an Lösemittel um 50 % reduziert. Im Kundenservice konnten durch „Fernwartungen“, „Fern-Software-Update“ und neuentwickelte Remote-fähige Geräte Fahrten und damit Kraftstoffeinsparungen von im Monatsdurchschnitt 134.000 l erreicht werden. Das weltweit tätige Unternehmen setzt zum einen auf Wiederaufbereitung älterer Geräte. So wurden im Geschäftsjahr 2008/2009 ca. 1.500 aufgearbeitete Medizintechniksysteme wieder in Verkehr gebracht. Zum anderen auf die Wiederverwertungsmöglichkeiten von Komponenten. Im gleichen Geschäftsjahr lag die Wiederverwendungsquote bei Röntgenstrahlern bezogen auf den Produktwert bei etwa 22,5%. Bis zu 50% bezogen auf das Gewicht eines Röntgenstrahlers gehen in den Wiederverwendungskreislauf ein.
Diese und weitere Ressourceneffizienzmaßnahmen beschreibt Siemens in seinen Umwelterklärungen.
Kleine Organisation aus der öffentlichen Verwaltung: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)
Eine relativ neue EMAS-Organisation ist die Fachhochschule Eberswalde, die sich nach ihrer Registrierung im Februar 2010 in Hochschule für nachhaltige Entwicklung umbenannt hat. Die vor den Toren von Berlin gelegene Hochschule spart erhebliche Wärmeenergie und Strom durch Optimierung von Regelung bei der Wärmeversorgung, durch den Einbau von Bewegungsmeldern und im IT-Bereich durch verschiedene Maßnahmen wie z.B. Verwendung energiesparender Prozessoren und Netzteilen, Nutzung von ThinClients, abschaltbare Steckerleisten an allen Büroarbeitsplätzen sowie automatische Abschaltung von Pool-Computern. Beim Mobilitätsmanagement werden Dienstreisen überwiegend mit der Bahn getätigt, Dienstwagen werden seit Mai 2010 nicht mehr verwendetet und die Auswahl von Leasing-PKWs erfolgt anhand des CO²-Ausstoßes. Die Energie- und Stromversorgung ist auf nachhaltige Produkte ausgerichtet. Für die Versorgung mit Wärmeenergie werden nachwachsende Rohstoffe eingesetzt. Der Bezug von Ökostrom wird an zwei von drei Standorten genutzt und zusätzlich erzeugen zwei Photovoltaikanlagen Strom.
Auf der Internetseite der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde sind neben der Umwelterklärung noch weitere Informationen zum Umweltmanagement enthalten.
Große Organisation aus der öffentlichen Verwaltung: Universität Bremen
Mit 3.200 Beschäftigten gehört die seit 2004 EMAS registrierte Universität Bremen zu den größeren EMAS-Organisationen. Die norddeutsche Lehranstalt hat ihren Focus auf die konsequente Verbesserung der Energie- und Materialeffizienz gelegt, die mit einzelnen Projekten erfolgreich verfolgt wird. Z.B. werden im IT-Bereich durch die Erschließung und Nutzung von Hochleistungsrechnerkapazität über eine kooperative Verbundlösung mit anderen Bremer Hochschulen und Forschungseinrichtungen erhebliche Verbesserungen im Ressourcenverbrauch, des Energiebedarfs und der Emissionsentwicklung erzielt. Unter Berücksichtigung der Umweltleitlinien sind bereits moderne und energieeffiziente IT-Technologien unter Beachtung neuer technischer Standards und Lösungen wie die neue Quad-Core-Prozessortechnologie, neue Schalt- und Regeltechniken für Prozessoren, Blade-Technologie und moderne Rack-Kühlsysteme in der Universität im Einsatz. Durch die Einführung einer Chemikalienbörse hat jede Nutzerin und jeder Nutzer der Uni Bremen und weitere Schulen im Land Bremen die Möglichkeit einmal angeschaffte Chemikalien für weitere Nutzungen zur Verfügung zu stellen. In ca. 4.500 Fällen ist es seit 1999 zum Austausch von Chemikalien und damit zur Materialeinsparung gekommen. Die universitäre Zentrale Serviceeinrichtung Ver- und Entsorgung (ZVES) sammelt und sichtet alle anfallenden Abfälle am Standort und führt noch verwendbare Computerkomponenten der Nutzung wieder zu.
Weiterer solcher ressourcensparender Maßnahmen sind bereits in Planung und ins Umweltprogramm, welches über die Homepage abrufbar ist, integriert.
In der Kategorie Mikro-Organisation wurde keine Nominierung vorgenommen.
Der Umweltgutachterausschuss wünscht allen Nominierten viel Glück für den europäischen EMAS-Award 2010.